Glossar der Spezialitätenkaffee-Begriffe
Das gesamte technische Vokabular des Spezialitätenkaffees, einfach erklärt.
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#AeroPress
Manuelle Brühmethode, 2005 von Alan Adler patentiert. Nutzt Luftdruck, um Wasser durch gemahlenen Kaffee und einen Papierfilter zu pressen. Vielseitig: je nach Einstellung ähnelt das Ergebnis eher einem Espresso oder Filterkaffee.
#Bloom
Anfangsphase einer Pour-over-Extraktion: Eine kleine Menge Wasser (etwa das 2-Fache des Kaffeegewichts) wird auf das Kaffeemehl gegossen, dann wartet man 30 bis 45 Sekunden. Frisch gerösteter Kaffee gibt CO₂ ab (Entgasung). Wird der Bloom übersprungen, entsteht eine ungleichmäßige, säuerliche Extraktion.
#Bottomless
Auch genannt: Naked portafilter
Siebträger ohne Ausguss, der die Unterseite des Kaffeepucks während der Extraktion zeigt. Ein unverzichtbares Diagnosewerkzeug: Fehler werden sofort sichtbar (Channeling, schlechte Verteilung, ungleichmäßiges Tampern). Siehe auch unseren Guide mit 4 Anti-Channeling-Tipps.
#Channeling
Auch genannt: Tunneling
Espresso-Extraktionsfehler, bei dem das Wasser einen bevorzugten Kanal durch den Puck bildet, wodurch der Großteil des Kaffees unter- und der Kanal überextrahiert wird. Mit einem Bottomless-Siebträger sichtbar als ungleichmäßiger Strahl oder Spritzer. Hauptursachen: zu feiner Mahlgrad, ungleichmäßiges Tampern, unregelmäßige Verteilung, ein Riss im Puck.
#Cold brew
Kalte Brühmethode: grob gemahlener Kaffee + kaltes Wasser, 12 bis 24 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Ergebnis: mild, wenig säurehaltig, natürlich süß. Nicht zu verwechseln mit Eiskaffee (heiß gebrühter, dann abgekühlter Kaffee).
#Crema
Goldener Schaum, der einen gut extrahierten Espresso krönt. Besteht aus feinen Blasen aus Ölen, Zuckern und durch den Druck eingeschlossenem CO₂. Ein visueller (aber kein absoluter) Indikator für Kaffeefrische und gute Extraktion. Eine dicke, langanhaltende Crema deutet meist auf frisch gerösteten Kaffee hin.
#Degassing
Freisetzung von CO₂ durch die Kaffeebohnen nach der Röstung. In den ersten 7-10 Tagen sehr intensiv, nimmt die Entgasung danach schrittweise ab. Zu frischer Kaffee (< 5 Tage nach der Röstung) lässt sich als Espresso schlecht extrahieren. Optimal: 10-30 Tage nach der Röstung.
#Distribution
Schritt vor dem Tampern: Das Kaffeemehl wird gleichmäßig verteilt im Siebträger, um Zonen unterschiedlicher Dichte zu vermeiden. Schlechte Verteilung verursacht Channeling. Gängige Werkzeuge: WDT (Weiss Distribution Technique), rotierende Verteiler.
#Dripper
Konischer oder kegelförmiger Filterhalter für die Pour-over-Methode: Man legt einen Papierfilter und das Kaffeemehl hinein und gießt langsam Wasser auf. Der Kaffee läuft durch die Schwerkraft ab. Beliebte Modelle: V60 (Hario), Kalita Wave, Chemex, Origami.
#Espresso
Extraktionsmethode unter Druck (typischerweise 9 bar) durch einen fein gemahlenen Kaffeepuck. Standard: 18g Kaffee, 30-40g Extraktion in 25-30 Sekunden. Ergibt ein konzentriertes Getränk mit Crema-Krone.
#Extraction
Prozess, bei dem Wasser die löslichen Verbindungen des gemahlenen Kaffees löst: Säuren, Zucker, Öle, Koffein. Eine Unterextraktion ergibt einen sauren, flachen Kaffee. Eine Überextraktion ergibt einen bitteren, adstringierenden Kaffee. Ziel: Balance.
#Filter
Auch genannt: Paper, Metal
Der Papierfilter (V60, AeroPress) hält Öle zurück und ergibt einen klaren, sauberen Kaffee. Der Metallfilter (French Press, manche Mokkakannen) lässt Öle durch und ergibt einen runderen, vollmundigeren Kaffee. Die Wahl hängt vom gewünschten Geschmacksprofil ab.
#Freshness
Optimaler Nutzungszeitraum eines Kaffees: 10 bis 45 Tage nach der Röstung (dieses Datum ist dem Verpackungsdatum vorzuziehen). Zu jung: schwer zu extrahieren (CO₂). Zu alt: flache Aromen, Oxidation. Lagerung: luftdichte Tüte, stabile Raumtemperatur, vor Licht geschützt.
#Grind
Partikelgröße nach dem Mahlen des Kaffees. Muss an die Methode angepasst sein: sehr fein für Espresso (~250 Mikrometer), mittel für V60 (~600 µm), grob für French Press (~1000 µm). Ein gleichmäßiger Mahlgrad ist wichtiger als ein absolut präziser.
#Grinder
Das wichtigste Werkzeug des Barista. Zwei Familien: Handmühlen (Timemore, 1Zpresso, Comandante) und elektrische Mühlen (Eureka, xBloom). Die Qualität einer Mühle bemisst sich an der Gleichmäßigkeit des Mahlguts, nicht nur an der Feinheit. Eine gute Handmühle für 150€ übertrifft oft eine elektrische Mühle für 300€.
#Pour-over
Auch genannt: Slow coffee
Familie von Filter-Methoden, bei denen das Wasser manuell über das im Dripper liegende Kaffeemehl gegossen wird. Ermöglicht volle Kontrolle über Durchflussrate, Temperatur und Wasserverteilung. Wichtigste Methoden: V60, Kalita Wave, Origami, Chemex.
#Pressure
Kraft, die das Wasser während der Extraktion ausübt. 9 bar ist der Standard für italienischen Espresso. Manche Maschinen bieten Druckprofile (Vorinfusion bei 2 bar, allmählicher Anstieg auf 9, dann Abfall), um die Extraktion besser zu steuern.
#RDT
Auch genannt: Ross Droplet Technique
Trick von Barista David Ross: Die Bohnen werden vor dem Mahlen ganz leicht angefeuchtet (1-2 Tropfen Wasser oder Spray), um die statische Elektrizität zu beseitigen, die das Mahlgut verklumpen lässt. Reduziert Retention in der Mühle und fliegende Partikel.
#Tamping
Schritt des Verdichtens des Kaffeemehls im Siebträger mit einem Tamper. Ziel: einen Puck gleichmäßiger Dichte zu erzeugen, der dem Extraktionsdruck standhält. Die genaue Kraft (20kg, 30kg) zählt weniger als die Regelmäßigkeit: immer die gleiche Kraft anwenden, perfekt horizontal.
#Roast
Erhitzen grüner Kaffeebohnen mit trockener Hitze. Profile: hell (blumige, fruchtige Säure), mittel (Balance), dunkel (Bitterkeit, Körper, Schokolade). Spezialitätenkaffee bevorzugt helle bis mittlere Röstungen, um die Aromen des Terroirs zu bewahren.
#V60
Auch genannt: Hario V60
Der weltweit beliebteste Dripper, hergestellt von Hario. Ein 60°-Kegel mit spiralförmigen Rillen und einem großen Mittelloch. Ermöglicht eine sehr klare und nuancierte Extraktion. Dazu passende Papierfilter.
#WDT
Auch genannt: Weiss Distribution Technique
Verteilungstechnik von John Weiss: Mehrere feine Nadeln werden verwendet, um das Kaffeemehl im Siebträger vor dem Tampern zu durchmischen. Löst Klumpen auf, vereinheitlicht die Dichte und reduziert Channeling drastisch.